Im ersten Teil meines Produkttests habe ich es bereits angedeutet: Die Hardware des Owon-Tischmultimeters ist klasse, die mitgelieferte Herstellersoftware lässt einen aber eher schreiend weglaufen. Meine erste Rettung war ein schnell gezimmertes Python-Skript.
Es funktionierte. Es spuckte Daten aus. Aber wie das mit Prototypen so ist: Irgendwann juckt es in den Fingern, und man fragt sich: „Geht das nicht noch eleganter, schneller und ohne Python-Laufzeitumgebung?“
Spoiler: Es geht. Und die Reise von Python zu Go (Golang) war ein wilder Ritt voller KI-Sessions, Visual Studio Code und überraschender Erkenntnisse.
Akt I: Das Python-Drama (Oder: Warum Tkinter mich in den Wahnsinn trieb)
Versteht mich nicht falsch: Python ist großartig für schnelle Skripte. Aber als ich die Software um einen Datenlogger, CSV-Export und eine Live-Tabelle erweitern wollte, ging das Gehustel los:
- Das GUI-Chaos: Tkinter ist super für simple Fenster. Wenn man aber Threads, serielle Kommunikation und eine Live-Tabelle verheiraten will, ohne dass das Fenster einfriert, fühlt man sich schnell wie ein Jongleur auf einem Einrad.
- Das
-minsize-Trauma: Wenn dir Python wegen einer einzigen falschen Layout-Option mitten im Betrieb um die Ohren fliegt, hinterfragt man kurz seine Lebensentscheidungen. - Die Abhängigkeiten: „Ey, probier mal mein Tool aus!“ – „Brauche ich dafür erst Python 3.12, pyserial, tk und fünf virtuelle Umgebungen?“ – „Äh… ja.“
Ich wollte eine einzige .exe-Datei. Einfach doppelt anklicken, ohne Python-Installation, ohne DLL-Hölle.
Akt II: Warum ausgerechnet Go (Golang)?
Ich wollte eine Sprache, die:
- Rauschende Performance bietet (kompiliert direkt in Maschinencode).
- Echte Nebenläufigkeit (Concurrency) über Goroutines mitbringt (perfekt für das dauerhafte Abfragen des USB-Ports im Hintergrund).
- Plattformübergreifend eine einzelne Binary ausspuckt (keine Dependencies!).
Go schien die perfekte Wahl zu sein. Zusammen mit modernen GUI-Frameworks für Go (wie z. B. Fyne oder Wails) lässt sich damit eine saubere, extrem schnelle Desktop-App bauen.
Akt III: KI als Copilot in VS Code – Debugging auf Steroiden
Egal ob man Go neu lernt oder ein bestehendes Projekt portiert: Man stolpert über Stolpersteine. Mein Go-to-Setup war Visual Studio Code mit KI-Code-Assistenten.
Die Erkenntnisse aus meinem ersten Python-Skript bildeten die perfekte Blaupause. Ich wusste genau, welche SCPI-Befehle das Multimeter braucht (FUNC?\n und MEAS?\n) und wie das Parsing der Strings aussehen muss. Die KI half mir in VS Code blitzschnell dabei, diese Logik in idiomatischen Go-Code zu übersetzen:
// Ein kleiner Einblick: SCPI-Abfrage in Go mit Goroutines
func (m *Multimeter) ReadValue() (string, error) {
m.mu.Lock()
defer m.mu.Unlock()
// Befehl an Owon senden
_, err := m.port.Write([]byte("MEAS?\n"))
if err != nil {
return "", err
}
// Antwort einlesen
buf := make([]byte, 128)
n, err := m.port.Read(buf)
if err != nil {
return "", err
}
return strings.TrimSpace(string(buf[:n])), nil
}
Spaß am Debuggen (?)
Während Python gerne erst zur Laufzeit tief im Menü abstürzt, meckert Go dank starker Typisierung schon beim Schreiben – und die KI schlägt direkt die passende Fehlerbehandlung (if err != nil) vor.
Der Vergleich: Python vs. Go
| Feature | Python Prototyp | Go Final Version |
| Startzeit | ~1–2 Sekunden | Blitzschnell (< 0.1s) |
| Verteilung | Skript + Python-Setup nötig | 1 einzelne .exe / Binary |
| Multithreading | Threads & Tkinter after()-Tricks | Eleganter Hintergrund-Prozess via Goroutines |
| Arbeitsspeicher | ~50–80 MB | Extrem leichtfüßig |
Das Ergebnis & Release!
Das finale Programm macht genau das, was die Owon-Originalsoftware von Anfang hätte machen sollen:
- Keine Installation nötig: Herunterladen, doppelklicken, läuft.
- Auto-Port-Erkennung: Findet den USB-COM-Port auf Knopfdruck.
- Echtzeit-Anzeige & Verlauf: Tabelle mit automatischer Skalierung der Einheiten (V, A, Ω, Hz…).
- Rechtsklick-Copy & CSV-Export: Werte direkt in die Zwischenablage werfen oder als sauber formatierte CSV abspeichern.

Kostenloser Download
Weil ich aus eigener Erfahrung nur zu gut weiß, wie frustrierend und nervig der Software-Kram bei Messgeräten aus Fernost manchmal sein kann, werde ich euch die kompilierte Go-App völlig kostenlos zur Verfügung stellen!
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